Neue Studie11. Oktober 2026
Kryotransfer: Geht es auch ohne Auslösespritze?
Edimiris et al., Fertility and Sterility 2026 · UniKiD der Uniklinik Düsseldorf
Die Studie in Zahlen
- 662
- Frauen mit regelmäßigem Zyklus, bei denen ein Kryotransfer mit Blastozysten gemacht wurde
- 2 × 170
- Patientinnen, die sich in Alter, BMI, Ursache des Kinderwunsches und früheren Schwangerschaften ähnelten, wurden verglichen
- 2021–23
- am Kinderwunschzentrum der Uniklinik Düsseldorf
Worum ging es
Beim Kryotransfer wird ein eingefrorener Embryo aufgetaut und übertragen. Findet das im natürlichen Zyklus statt, richtet sich der Termin nach deinem eigenen Eisprung. Um ihn genau zu treffen, geben viele Kliniken eine Spritze mit dem Hormon hCG, die den Eisprung auslöst.
Die Frage der Studie: Braucht es diese Spritze überhaupt?
Der Weg ohne Spritze sieht so aus: Sobald der Follikel reif ist, beginnen Tabletten mit Dydrogesteron, einem künstlichen Gelbkörperhormon. Sie legen den Transfertag fest und unterstützen die zweite Zyklushälfte.
Wer wurde untersucht
Ausgewertet wurden die Daten von 662 Frauen mit regelmäßigem Zyklus, die alle am UniKiD der Uniklinik Düsseldorf behandelt wurden.
Aus dieser Gruppe wurden zwei Gruppen von je 170 Frauen gebildet, die sich in Alter, BMI, Ursache des Kinderwunsches und früheren Schwangerschaften ähnelten — einmal mit Spritze, einmal ohne.
Was kam heraus
Bei Lebendgeburten, Schwangerschaften und Fehlgeburten gab es keinen statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen beiden Wegen.
Das Team sieht darin einen vorläufigen Hinweis, dass die Spritze womöglich nicht nötig ist.
Was heißt das für dich
Wenn deine Klinik beim Kryotransfer ohne Auslösespritze arbeitet, ist das kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern ein Vorgehen, für das es inzwischen erste Daten gibt. Und wenn sie die Spritze gibt, ist das ebenso in Ordnung.
Welcher Ablauf zu dir passt, hängt von deinem Zyklus und deiner Vorgeschichte ab. Das entscheidet dein Behandlungsteam, nicht eine Statistik.
Studien liefern Statistiken. Du bist keine Statistik. Deine individuelle Situation kann nur deine Ärztin oder dein Arzt beurteilen.
Ehrlich gesagt
Was die Studie nicht zeigt
Rückblickend, nicht ausgelost
Es ist ein Vergleich vorhandener Behandlungen, keine Studie, in der ausgelost wurde, wer welchen Weg bekommt. Unterschiede zwischen den Gruppen lassen sich damit nie ganz ausschließen.
Nur ein Zentrum
Alle Patientinnen wurden am UniKiD in Düsseldorf behandelt. Ob die Ergebnisse auch an anderen Häusern gelten, lässt sich daraus nicht ableiten.
Kleine Gruppen
Mit je 170 Frauen konnte die Studie nur große Unterschiede erkennen. Kleinere — etwa die etwas niedrigere Lebendgeburtrate ohne Spritze — kann sie weder nachweisen noch ausschließen. Dafür braucht es größere Studien, in denen ausgelost wird.
Quellen
- Edimiris P., Tekesin T., Hamala N., Eggersmann T. K., Griesinger G., Krüssel J.-S., Baston-Büst D. M., Bielfeld A. P.: Fertility and Sterility 2026; 126(3): 518–526 (Open Access)
Diese Seite ersetzt kein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Studien beschreiben, was bei vielen Menschen passiert ist — was für dich gilt, kann nur dein Behandlungsteam beurteilen.
